Hermann Müller: Mühlenhochburg Heppenheim.
Großes Mühlen- und Müller-Lexikon. Daten und Fakten zu 800 Jahren Mühlengeschichte verfasst und herausgegeben im Auftrag des Heppenheimer Geschichtsverein e.V. von Hermann Müller. SERA.PRINT Druckerei und Verlag, Einhausen. Heppenheim an der Bergstraße 2024. Festeinband mit Fadenbindung, 1006 S., EUR 85,00, ISBN: 978-3-926707-24-6
Die Geschichte von Heppenheim an der Bergstraße, heute Kreisstadt des südhessischen Landkreises Bergstraße, reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück und zeichnet sich durch eine große Vielfalt von Menschen, Ereignissen und Entwicklungen aus. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 755, das Stadtrecht erhielt er 1318 (https://de.wikipedia.org/wiki/Heppenheim_(Bergstraße)). Vom 12. Jahrhundert bis 1975 war Heppenheim durch eine außerordentlich hohe Anzahl von Mühlen unterschiedlicher Art – darunter neben Mahlmühlen für Getreide auch Ölmühlen, Schneidmühlen und sogar eine Pulvermühle – eine ausgeprägte Mühlenhochburg, indem sich an fünf kleinen Bächen im Stadtgebiet über 60 Wassermühlen befanden. Weitere, mit Muskel- oder Dampfkraft angetriebene Mühlen kamen hinzu, so dass über 80 ehemalige Mühlenstandorte mit über 130 Mühlen nachweisbar sind. Mehr als 1.800 Müller gingen im Laufe der Zeit in diesen Mühlen ihrer anstrengenden Arbeit nach. An die bedeutende Rolle der Mühlen für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte erinnern heute der „Heppenheimer Mühlenrundweg“ (https://www.mueller-heppenheim.de/muehlen.htm) mit 23 Stationen sowie ein mit einem Kunst-Mühlrad gestalteter „Mühlen-Kreisel“ (https://rhein-neckar-wiki.de/Muehlenkreisel). Eine Gesamtdarstellung zur Geschichte der Mühlen in Heppenheim fehlte unterdessen bislang.
Unter dem Titel „Mühlenhochburg Heppenheim“ hat nun jüngst der Heppenheimer Geschichtsverein e.V. (https://www.geschichtsverein-heppenheim.de) ein „Großes Mühlen- und Müller-Lexikon“ herausgegeben, das – so der treffende Untertitel – „Daten und Fakten zu 800 Jahren Mühlengeschichte“ präsentiert. Verfasst wurde der mit gut 1.000 Seiten opulente Band, der sich seiner Leserschaft mit Festeinband und Fadenbindung im Din-A-4-Format präsentiert, von Hermann Müller, Ingenieur der Elektrischen Energietechnik und seit mehr als 50 Jahren Heimat- und Familienforscher, der sich zudem seit langem für die Erinnerung an die Mühlenkultur engagiert. Die sehr umfangreiche Veröffentlichung, die erste gesamthafte Darstellung über Mühlen und Müller in der Kreisstadt Heppenheim einschließlich all ihrer Stadtteile, kann sich als Dokumentation, Nachschlagewerk und Quellenedition in jeder Hinsicht sehen lassen. Das gelungene Buch gliedert sich dabei in die folgenden fünf großen Bereiche, die ihrerseits in zahlreiche Kapitel und Unterkapitel untergliedert sind:
- Mühlenhochburg Heppenheim. 800 Jahre Mühlengeschichte (S. 19-78),
- Mühlen-Lexikon. Geschichte der einzelnen Mühlen (S. 79-778),
- Heppenheimer Wassermühlen aus technischer Sicht (S. 779-800),
- Müllerhandwerk. Das harte Leben der Müller (S. 801-824),
- Heppenheimer Müller-Lexikon. Mühlenbesitzer und -pächter, Müller, Mühlärzte und -knechte (S. 825-1002).
Ergänzt wird die ausführliche Darstellung, die auf dem intensiven langjährigen Sichten, Transkribieren und Auswerten von zahlreichen Dokumenten – Archivalien, Karten und Plänen – des Autors in einer Vielzahl von Archiven sowie dem Sammeln von Zeitzeugenberichten und Fotos basiert, durch ein Quellen- und Literaturverzeichnis (S. 1003-1006).
Zur Bedeutung und Intension der Veröffentlichung, deren Druck vom Magistrat der Stadt Heppenheim, der Sparkasse Starkenburg und der Firma „ESM – Ihr Spezialist für Schwingungstechnik“ (Heppenheim) gefördert wurde, schreibt der Autor in seinem Vorwort: „Vorliegende Dokumentation soll nicht nur ein Nachschlagewerk sein. Sie soll auch zum Schmökern einladen und erlaubt eine Zeitreise in die Geschichte, die durch eine Vielzahl von Fotos, Gemälden, Zeitungsanzeigen und Auszügen aus alten Dokumenten weit über die Mühlengeschichte hinaus Informationen vermittelt“ (S. 17).
Nach einem Überblick über die 800-jährige Geschichte der Mühlen in Heppenheim werden im Hauptteil, dem „Mühlen-Lexikon“, alle Informationen zu rund 130 Mühlen an mehr als 80 verschiedenen Mühlenstandorten im Detail vorgestellt. Nach Darstellung der Heppenheimer Wassermühlen aus technischer Sicht und den beschwerlichen Alltag des Müllerhandwerks werden im anschließenden Heppenheimer „Müller-Lexikon“ Kurzinformationen zu über 1.050 Müllern, Mühlenbesitzern und Mühlärzten mit Bezug zu Heppenheim aufgeführt.
Die Vielzahl der Daten und Fakten über die Mühlen sowie zu den Mühlenbesitzern, Mühlenpächtern, Müllern, Mühlärzten und Mühlknechten, die sich der Leserschaft übersichtlich und verständlich präsentieren, wird durch eine Reihe von Tabellen sowie gut 2.250 Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen – neben historischen und aktuellen Fotos beispielsweise auch zeitgenössische Pläne, Lageskizzen, Auszüge aus Katastern, Anzeigen, Geschäftsempfehlungen und Nachrufe – ergänzt. Insgesamt betrachtet zeigt die Darstellung nicht nur sehr anschaulich, wie außergewöhnlich hoch die Konzentration und Vielfalt er Mühlen an den relativ kleinen Bächen in und um Heppenheim war, sondern gewährt darüber hinaus auch über einen langen Zeitraum tiefe Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen, die in ihnen arbeiteten. Hermann Müller und der Heppenheimer Geschichtsverein e.V. können auf die vorliegende Arbeit stolz sein, indem sich entsprechende Studien in dieser Breite und Tiefe nur äußerst selten finden.
Dr. Hubert Kolling



