Entwicklung der Mühlen – Grabungen Roseldorf – Bodenfeld

Aus den Grabungsberichten der eisenzeitlichen Siedlung Roseldorf – Bodenfeld 2001: Zur Zeit der Kelten bedeckten dichte Wälder weite Teile der Landschaft. In den wärmeren Gegenden bildeten Buche und Eiche einen Mischwald auf flachgründigen Böden. In den höheren Lagen waren Fichtenwälder verbreitet. Dort wo der Wald gerodet und das Holz zur Nutzung zugezogen wurde, entstanden Felder für den Ackerbau. Es musste mehr oder weniger eine fast ausschließlich bäuerliche Bevölkerung mit Nahrung versorgt werden. Für die Bodenbearbeitung verwendete man Pflüge mit eisernen Pflugscharen. Bei der Ernte kamen eiserne Sensen und Sicheln zum Einsatz. Erste Ergebnisse der Getreideanalysen aus Roseldorf ergaben, dass es sich um landwirtschaftlich angebaute Kulturpflanzen wie Einkorn, Emmer, Gerste und Rispenhirse sowie um Rudealpflanzen, wie Weißer Gänsefuß, Windenknöterich, Wegerich und Gräser handelt, die mit Unkräutern vergesellschaftet sind. Genauere Untersuchungen werden noch weitere Bestimmungen erlauben. Anhand dieser Ergebnisse lässt sich auf das tägliche Leben der keltischen Bevölkerung schließen. Die Kelten waren in erster Linie ein Agrarvolk. Die keltische Landwirtschaft wurde bei den Römern als hochentwickelt eingestuft und hatte große Bedeutung. Sie kannten bereits die Vorteile des Fruchtwechsels. Gerste hatte eine große Bedeutung und wurde vorwiegend als Sommergetreide angebaut, Emmer eignete sich auch für die Wintersaat, da er schon nach rund zwei bis drei Monate erntereif ist.

Um Mehl zu gewinnen, zerquetschte man das Getreide in einer steinernen Mühle. Bei dem im Haus 3 in Roseldorf gefundenen Exemplar handelt es sich um einen Bodenteil einer zweiteiligen Drehmühle. Er hat einen Durchmesser von ca. 37 cm. Die Unterseite ist flach, die Mahlfläche konvex geschliffen. Das zentrale Achsloch diente zur Verankerung der senkrechten Achse des Läufers. Der Läuferstein ist leider nicht mehr erhalten. Die Kulturpflanzen wurden über längere Zeit in Erdgruben, auf dem Dachboden der Hütten und in hölzernen Speichern gelagert, was lange Erfahrung mit der Landwirtschaft voraussetzte.

100 v. Chr. wurden die Kelten durch die swebischen Quaden, einem germanischen Stamm, verdrängt. Das Quadenreich kam dann in triputpflichtige Abhängigkeit von den Römern. Die Völkerwanderung machte auch der Herrschaft der Römer ein Ende. (476 Sturz des letzten weströmischen Kaisers) Die Hunnen kamen in unsere Gegend, 454 nach der Niederwerfung der Hunnen kamen die Rugier. Auch deren Reich bestand nur bis 487. Es folgten die Heruler, dann die Langobarden, bis um 600 Slawen als Gefolgsleute der Awaren hier eindringen konnten, die bis ins 9. Jh. hier sesshaft waren. Durch die Gründung des großen deutschen Reiches im 8. Jh., das Karl d. Gr. festigte und ausdehnte, war die Voraussetzung für die Besiedlung unserer Heimat durch Deutsche gegeben. Karl d. Gr. besiegte 791 die Awaren, die sich hinter Erdwällen, den Ringen, verschanzten, an der Kampmündung und im Tullnerfeld. Die von den Awaren abhängigen Slawen unterwarfen sich freiwillig. Das damit eroberte Land, die karolingische Ostmark, war das Grenzland Deutschlands gegen Osten und wurde von Deutschland aus besiedelt. 44 deutsche Ortsnamen waren bereits vor 907 in dieser Ostmark (Smidaha 865, Eginbura = Burg eines Ekko 823,…) Ab dem Sieg über die Awaren wurde unser Gebiet Königsland. Damit besaß der König bestimmte Rechte, darunter auch das Wasserregal. Dies bedeutete ein grundsächliches Recht an den Flüssen. Daraus wird klar, dass nach der Ausbildung der Landesherrschaft auch der Landesfürst in alle Angelegenheiten eingreifen konnte, die mit Wasserwirtschaft zu tun hatten.

Seit der Karolingerzeit, dem 8. und 9. Jh., hatten sich die Wassermühlen gegenüber den kleinen Handmühlen, die man bei sich tragen konnte, und den Göppelmühlen durchgesetzt. Bei uns in Niederösterreich war ab dem 11. Jh. die Wassermühle verbreitet. Wurde so eine Wassermühle erbaut, war es notwendig, dass mehrere Leute zusammenwirkten (Teamwork!): Die Beschaffung der Rohstoffe, vor allem des Holzes brauchte einen adeligen oder geistlichen Grundherr, da nur er Zugang zu Wäldern hatte. Man brauchte Steinbrüche für die Mühlsteine und Schmelzöfen für die Eisenerzeugung. (Herstellung des Mühleisens). Nur ein bedeutender Grundherr konnte all diese oft weit auseinander liegenden Rohstoffe beschaffen. Oft waren gut funktionierende Handelsbeziehungen nötig zur Beschaffung der Materialien. Die wichtigste Arbeit bei der Erbauung einer Mühle war die Anlage des Mühlbaches, die immer eine Gemeinschaftsarbeit war. Oft waren dazu schwierige besitzrechtliche Probleme zu lösen. Die Arbeitsbelastung der Menschen war riesig; sie mussten das Holz herbeiführen und die umfangreichen Grabungsarbeiten und Dammaufschüttungen leisten. Oft war auch eine große Herrschaft dazu nicht im Stande und es kam zur Bildung von Herrschaftsverbänden. Wegen der relativ geringen Mahlleistung dieser Mühlen mussten vor allem in der Nähe von Städten viele Mühlen gebaut werden und für den Transport des Getreides und des Mehles brauchte man Strassen. Viele Wegkreuze gehen auf diese zurück. Im Norden drohte das großmährische Reich des Fürsten Swatopluk und von Finnland kam das Reitervolk der Magyaren, die vom deutschen König Arnulf gegen die Mährer zu Hilfe gerufen wurden. 955 bei der Schlacht auf dem Lechfeld wurde die Ostmark gesichert und dem Babenberger Markgrafen gelang die Erweiterung und dauerhafte Sicherung der Ostmark (976). 1002 erweiterte Markgraf Heinrich II. die Grenze bis zur March im Osten und 1041 Heinrich III. die Thaya im Norden.

Ab nun ging die Besiedlung unserer Heimat rasch. Es waren Bayern, die längs der Donau und Franken, die durch Böhmen kamen. Besitzer des eroberten Gebietes war der Kaiser und er teilte es unter seinen Getreuen auf. Dies waren zunächst die Markgrafen, aber vor allem auch das Hochstift (Diözese) Passau. Diese überließen diese Gebiete den von ihnen gestifteten Klöstern, teils auch Adeligen im Wege der Lehen (=Leihe). 1002 bekommt Markgraf Heinrich II. 20 Königshufen (je 120 Joch) zwischen March und Kamp als Geschenk. Er konnte diese frei wählen, da das Land noch menschenarm und kulturlos war. Haderich, der Gründer von Hadres bekam drei Königshufe 1055 zwischen dem Mouriberg (Mailberg) und der Pulkau. 1066 schenkt König Heinrich IV. einem Luitwin zu Ternie (Oberthern) zwei Königshufen u.s.w. Die Babenberger gaben Teile ihres Besitzes an Abteien, die sie stifteten und so sind die Abteien Melk, Altenburg, Schottenstift, Heiligenkreuz, Zwettl, Lilienfeld bei uns begütert. Weiters das Chorherrenstift St. Pölten in Pulkau und Retz, Baumberg in Mittergrabern. Später im 14. Jh. kam noch das Zisterzienserstift Säusenstein in Guntersdorf, auch Geras, St Bernhard bei Horn, Raabs, Eisgarn. Selbständige Klöster im Hollabrunner Bezirk wurden das Dominikanerkloster Retz und die Johanniterkommende Mailberg. Der Stand der Ritter entstand aus dem niedrigen Adel, der anfangs wie die Bauern unfrei war, dann aber zu Besitz und Ansehen gelangte. Oft bekamen sie von ihrem Herrn in einem Dorf einen Meierhof als Lehen und wurden später unabhängig. Die ersten Siedlungen im 11. Jh. waren zunächst die vom Grundherrn selbst oder seinem Vertreter, dem Meier, betriebenen Wirtschaftshöfe. Bald entstanden dort Dörfer, weil die Grundherrn an Dienstleute und nachströmende Einwanderer den Boden verteilten. Die Dörfer waren geschlossene Siedlungen zur Verteidigung gegen Feinde. Diese Straßendörfer hatten starke Tore mit Fallgittern an beiden Seiten. (Der Ortsteil „Fallter“ in Guntersdorf erinnert noch daran) Wie entstanden die Namen der Dörfer? Von den 147 Orten des Hollabrunner Bezirkes enden 60 auf „-dorf“ und sie sind meist nach den ersten Siedlern benannt: Bernhard –Pernersdorf, Bruno – Braunsdorf, Calcho – Kalladorf, Dietmar –Dietersdorf, Diepold –Dippersdorf, Deginzo –Deinzendorf, Ekko –Eggendorf, Enzino –Enzersdorf, Frowin –Frauendorf, Gozzo –Gettsdorf, Gunthart –Guntersdorf, Gocco –Goggendorf, Gottschalk –Schalladorf, Hugo –Haugsdorf, Immo –Immendorf, Haderich –Hadres, Kadold –Kadolz, Marquet –Markersdorf und Merkersdorf, Norprecht – Nappersdorf, Porand –Parisdorf, Ragelo –Ragelsdorf, Rueger –Roggendorf, Sizo –Sitzendorf und Sitzenhart, Gouwin –Gaunersdorf, Utzo –Jetzelsdorf, Wzelin –Watzelsdorf, Waitzendorf und Wetzdorf.

Eberich siedelte an einem Brunnen –Ebersbrunn, Radolt in Radelsbrunn, Romuald am Bach –Ravelsbach. Die Burg eines Ruegers –Riegersburg und der Wald eines Rasco –Raschalaa. Schleinz, Kiblitz, Retz, Nalb, Röschitz (rijeka=Fluß), Zemling, Gollitsch, Hardegg waren wahrscheinlich slawischen Ursprungs. Auch Taschelbach (Tajitschka = kleine Thaya) ist slawischen Ursprungs. Schöngrabern ist bereits 1352 erwähnt und hat seinen Namen von Gräbergruppen, die dort gefunden wurden (Hünengräber). Schrattenberg kommt von schro0 = Hieb, Riß (im Gelände) oder von Waldschratt. Wartberg war ein Wächter auf dem Berg. Hart (Harde = alte Bezeichnung für Laubwald), Ameisthal verdankt seinen Namen den dortigen Ameisen, Parschenbrunn den Barschen im Bach. Wolfpassing war ein Versammlungsort von Wolfsjägern. Lilienfeld kommt von Liele=Waldrebe, Fahndorf von Fohra = Föhre, Rußbach von der Ruste = Feldulme, Alberndorf von Alber = Pappel, Bierbaum von bir = Birne. Sachsendorf war eine Ansiedlung von Sachsen, Enzersfeld das Feld eines Engilskalk = Engelsdiener. Pulkau hieß früher Volksachwa nach einem Bach (achwa=Bach). Slawische Siedler machten aus „V“ ein „P“, aus „o“ ein „u“, also Pulkowa, später machten deutsche Siedler aus „owa“ ein „au“ Windpassing (posen = schlagen), Hollabrunn (Brunnen bei Hollundern), Groß (grasse = junges Nadelholz), Stockerau: aus mehreren Baumstämmen = Stöcken entstand ein Stockwerk. In der Au wohnte man wegen des Wassers in Stockwerken, die ergab Au der Stocker. Ähnlich war es bei Stockern, Stockstall. Maissau (nach einem Fluß im Harzgebirge oder von Mais = frisch geschlagene Waldlichtung wie auch bei Messern), Haslach (lach = Wald), Schrattenthal (Schratten = Geister), Pfaffstetten, Pfaffendorf, Minichhofen (Munich = Mönch) sind geistliche Stiftungen. Bösendürnbach kommt von böse = klein. Ardagger ist lateinischen Ursprungs (artagrum = arduus ager = steiler Acker), Zwettl ist slawisch (svetlo = Licht, also helles Tal. Auch Bezeichnungen für Berge, Wege, Gewässer waren namengebend: 1083 Haibach –Habichisbach, Plechuntirwech –Blickerweg, Gerrichestale –Ried Gerstall, 865 Bach Smidaha –Schmida. Roseldorf/Schmida sollte eigentlich Raseldorf heißen wie auch das Rosental in Kärnten von Ort am rasenden Bach!

Eine weitere Deutung für Roseldorf: Die Rot-, Ross-, Rosenorte geben im allgemeinen Bestattungsplätze und Gerichtsorte an. (z.B.: Riesiges Gräberfeld bei Radlberg, Gräberfeld mit 70 Gräbern bei Ratzersdorf, beide nahe Pottenbrunn, Rosaliengebirge – viele Hügelgräber der Hallstattkultur.) Begräbnisstätten wurden als Rosengarten bezeichnet. Auch in Roseldorf soll ein riesiges Gräberfeld nördlich der Mühle gewesen sein. Die auf „Rose“ lautenden Namen sind im allgemeinen wesentlich älter als 1000 Jahre. (Da war die Rose bei uns noch nicht bekannt!) Rose geht auf das vorgermanische Wort Rautian zurück = faulen, verwesen Althochdeutsch: Rozzan = faulen, mürbe oder morsch sein Mittelhochdeutsch: Rozze (daraus unser Wort „rösten“!) oder althochdeutsch: Rosta = Rost, Scheiterhaufen Die rote Farbe spielt bei Gericht und im Totenkult eine große Rolle. 1074 Bach Pulcaha –Pulkau, Wald Mouriberg –Mauerberg und Mailberg. Thaya (tajam=Sumpfwasser) und Kamp (kambos=mehrfach gebogen) sind keltische Namen. Das Feldmaß Schatz = 30 Rutenlängen –Schatzberg (1 Rute = 3,1 m). Äcker wurden oft verlost und daher stammen die Flurnamen, die mit –lissen enden; wahrscheinlich auch –leis wie Dürnleis. Bei uns fehlen Namen auf rod, rent, gschwend. Dies ist ein Beweis, dass keine nennenswerten Wälder gerodet werden mussten. Bei uns im Weinviertel ist kein größeres Kloster, weil im 11. Jh. zur Zeit der Klostergründungen hier schon das Land besiedelt war und außerdem drohten in diesem Grenzland ständig kriegerische Überfälle. Die ersten Siedlungen waren klein, weil sie meist auf einen Wirtschaftshof zurückgehen, dessen Felder an die Dienstleute und spätere Siedler gegen Zins aufgeteilt wurden. Ursprünglich wurden meist Zinslehen im Ausmaß von rund 30 Joch Ackerland, sogenannte Ganzlehen, verliehen. Durch Teilungen entstanden Halb- und Viertellehen. In den Urbarien und Grundbüchern waren die Lehen verzeichnet. Hofstätten waren bloße Taglöhnersiedlungen. Im 15. Jh. werden viele volle Zinslehen aufgeteilt, weil die Bevölkerung stark wuchs. Im 16. und 17. Jh. nahm die Bevölkerung wegen Krieg, Krankheiten, Versumpfungen wieder ab und viele Orte verschwanden (Wüstungen!). Ab 1775 nahm die Zahl der Häuser wieder zu. Der Hauptgrund ist die Heeresreform Josef II., der das Söldnerheer in ein Berufsheer umgestaltete. Die Bauernsöhne, die nicht Hausinhaber waren, mussten einrücken. Um dieser Militärlast zu entgehen, bemühten sich diese Söhne um die Selbständigkeitserklärung bei der Grundherrschaft, die ihnen Boden, der oft nur bisheriges Heideland war, als Ackerland überließ. Die Anzahl der „Kleinhäusler“ nahm in der Folge stark zu. Eine ähnliche Entwicklung wie die Dörfer nahmen auch die Städte. Sie entstanden im Mittelalter unter dem Schutz einer Burg. In ihren engen Mauern arbeiteten Handwerker, Händler und Kaufleute. In Zeiten kriegerischer Not und mit verschiedenen Vorrechten ausgestattet stieg ihre Bedeutung. Retz war nach 1200 bereites Stadt, 1316 scheint sie erst in den Urkunden als solche auf. Hardegg 1363, Schrattenthal 1472, Maissau 1548, Hollabrunn erst 1908. Für größere Dörfer bemühten sich die Grundherren beim Landesfürsten um das Marktrecht, weil damit bestimmte Privilegien verbunden waren.

Die völkische Zusammensetzung unserer Bevölkerung ist sehr vielschichtig. Die ersten Siedler waren neben Resten von Kelten, Quaden, Hunnen, Rugiern, Herulen, Langobarden, Awaren, … Franken und Bayern. Auch Slawen waren schon seit dem Mittelalter hier. Nach dem 30-jährigen Krieg waren ganze Dörfer menschenleer. Ein Zuzug von Menschen, begünstigt durch die Grundeigentümer, die Arbeitskräfte brauchten, brachte Süddeutsche sowie Mährer und Schlesier. Auch aus Oberösterreich und der Steiermark kamen Siedler. Der große Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gab vielen Menschen die Möglichkeit in unserem offenen Weinviertel neue Wurzeln zu schlagen. Auch die beiden Weltkriege brachten neue Menschen zu uns. Die Sehnsucht der Städter nach Naturnähe bringt viele Menschen, oft Künstler, die alte Bausubstanz retten und sich von der Ausstrahlung der ehemaligen Mühlen, Meierhöfe, Bauernhäuser,… inspirieren lassen